Die Buchsensation des Jahres 2010

Bild von Hans Kolpak

Mich stört weniger, daß Zahnärzte ein anspruchsvolles Handwerk ausführen. Bei freien Künstlern ist eine Frage nach Sinn und Nutzen ja auch überflüssig. Schließlich ist der Trick, auf Kosten anderer Menschen etwas zu tun, so alt wie die Menschheit selbst. Die wenigsten Menschen haben ein Bewußtsein, ihre Gesundheit, die Umwelt und die Gesellschaft sorgsam zu verwalten. Raubrittertum scheint das Bequemste zu sein.

Die Erkenntnis, daß eine antibakterielle Mundspülung, die zum Beispiel das nebenwirkungsfreie Chlorhexidin enthält, der Schlüssel zu einer gesunden Mundflora ist, hat mich mit diesem Buch erreicht. Ich wußte es einfach nicht. Mundwasser - dabei dachte ich an die Gerüche und Gebinde in der Toilette meines Großvaters, der seine künstlichen Zähne nachts in einem Glas aufbewahrte. Die Verdrängung der Bakterien in meinem Bewußtsein war perfekt. Ich glaubte das Märchen von den Putzwerkzeugen immer noch, obwohl ich bereits in den Achtziger Jahren Ernährung und Lebensweise umgestellt und optimiert hatte.

Jetzt verstehe ich den Heilvorgang durch den Speichel, der dem erkrankten Zahn die Stoffe liefert, die ihn remineralisieren und heilen. Je nach dem, welche Farbstoffe aus dem Essen und Trinken im Speichel schwimmen, sieht das erfolgreiche Ergebnis mehr oder weniger farbig aus, aber niemals weiß. Das Bleichen und Wegbohren durch den Zahnarzt macht die Heilung wieder zunichte. Wer reißt den Schorf einer Hautwunde weg? Trockenes Blut hat halt einen braunen Farbton, aber darunter wächst neue Haut nach.

Wenn Zahnärzte Chlorhexidin täglich nutzen, aber von Ausnahmefällen abgesehen ihren Patienten diesen Trick verschweigen, dann ist etwas faul. Das Buch verleiht mir die Zuversicht, meine verbliebenen 27 Zahnreste in meinem Kiefer über mein 57igstes Lebensjahr hinaus bis zu meinem Tod zu gebrauchen. Es tut mir überhaupt nicht leid um all die Zahnärzte, die an mir nichts mehr verdienen. Es gibt nicht gerade wenig Zahnärzte, die in die Forschung oder in andere Berufe ausgewichen sind. Warum wohl? Ich lasse mir auch nicht einreden, ich sei unsozial und unsolidarisch. Über 50.000 Diktatoren über 82 Millionen Menschen in Deutschland sind mir inzwischen unheimlich. Sie sind nicht die einzige akademische Zunft, der ich ausweiche. Es gibt noch mehr Ausbeuter.

Aber das ist mein Leben und meine Gesundheit. "Hier kann jeder machen, was er will - im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich!" meinte schon Franz-Josef Degenhardt. Ich habe fertig.

Zahnarztlügen: Wie Sie Ihr Zahnarzt krank behandelt