Mit dem BlaBlaMeter können Sie testen, ob sich heiße Luft in den Artikel eingeschlichen hat.

Warum in Deutschland der Strompreis doppelt so hoch ist

Bild von pol. Hans Emik-Wurst

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie - Energiedaten: Gesamtausgabe

Bildschirmkopie einer Grafik aus dem pdf-Dokument "Energiedaten:
Gesamtausgabe
- Stand: August 2018", Seite 11
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB), Stand: August 2018, Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat)


Primärenergieverbrauch in Deutschland 2017

Günter Unseld vom NAEB Stromverbraucherschutz merkt an:

Warum werden der deutschen Volkswirtschaft und damit dem Letztverbraucher in Deutschland ungeheure Kosten aufgebürdet?

Das fängt damit an, dass wir uns eine doppelte Strominfrastruktur leisten:

  • etwa 100 GW an Erneuerbarer Nennleistung
  • traditionelle Kraftwerke von ebenfalls etwa 100 GW, die in Bereitschaft stehen, wenn die E.E.-Leistung nicht ausreicht.

Dass dadurch die Stromerzeugung so teuer wird, dass sie nur noch über Subventionen an einer Strombörse verkauft werden kann, ist sicher einsichtig.

Planwirtschaftliche Umverteilung

Die dabei anfallenden Kosten sind :

  • die EEG Umlage,
  • die Nichtstromkosten für die Erneuerbaren Energien (E.E.),
  • die negativen Strompreise, mit denen unser E.E. Überschussstrom ans Ausland verramscht werden muss,
  • die Redispatch-Kosten für E.E.-Einspeisung für die keine Netzkapazität zur Verfügung steht,
  • die Reservedampfkraftwerke, die in Bereitschaft stehen, aber durch ihren kwh Verkauf sich nicht mehr rechnen,
  • eine unaufhörliche Erhöhung der Netzentgelte, verursacht durch die benötigte 'Ertüchtigung' der Stromnetze für die E.E.-Einspeisung
  • und für die ganze Administration dieses Energiewenderegelwerks.

Das DICE-Institut der Universität Düsseldorf hat geschätzt, dass zur Zeit die laufenden Gesamtkosten im Jahr bei etwa 45 Milliarden Euro liegen. Dazu kommen noch die schwindelerregenden Kosten, die über die zwanzigjährigen Verbindlichkeiten der Subventionen an die E.E.-Erzeuger anfallen.

Überbordende Gesamtkosten

Und das Schlimmste ist, dass unsere Verantwortlichen in der Regierung keine Ahnung über die Gesamtkosten haben, die sie der Allgemeinheit aufbürden. Das hat im Jahr 2017 schon der Bundesrechnungshof moniert.

Nur eine Stromwende

Dazu kommt, dass die Energiewende nichts für das Ziel tut, für das sie eingeführt wurde: die Reduzierung der CO2- Emissionen. Seit zehn Jahren stagnieren die auf hohem Niveau. Das ist ja auch klar, weil unsere Energiewende im Grund genommen nur eine Stromwende ist. Und da geht der ganze Aufwand mit den Erneuerbaren Energien rein.

Tatsächlich betrug im Jahr 2017 die gesamte Energieerzeugung von "Erneuerbaren" nur 13,2% und darin enthalten sind Photovoltaik und Windkraft mit dem geradezu winzigen Betrag von 3,9% des deutschen Primärenergieverbrauchs. Und damit glauben Politiker, ein "Energieproblem" lösen zu können!

Und in den anderen Sektoren Verkehr, Wärmewirtschaft hat sich (fast) nichts getan. Der Verkehrssektor hat sich durch das Wirtschaftswachstum sogar ausgeweitet, indem der LKW-Verkehr jährlich um 1,5% zunimmt.

Gleichzeitig wird die Dieseltechnik von denen schlecht geredet, die sie früher als ein wichtiges Werkzeug zur besseren Energieeffizienz im Kfz-Sektor propagierten. Was auch immer im Stromsektor leicht verbessert wurde, wurde in anderen Sektoren konterkariert.

Sektorkopplung

Jetzt noch zu dem Gerede von der so genannten Sektorkopplung: Durch einen riesigen Ausbau der Erneuerbaren im Stromsektor soll diese Überschussenergie in die anderen Sektoren Verkehr und Wärmewirtschaft eingekoppelt werden, so dass dadurch in diesen Sektoren der Energieverbrauch 'sauberer' wird.

Ich überlasse es den Protagonisten, zu erklären, wie man aus dem Stromsektor mit Photovoltaikstrom und Windstrom, der 2017 nur 3,9% des Primärenergieverbrauchs beträgt, die restlichen 96,1% des Primärenergieverbrauchs in diesen anderen Sektoren zukünftig mit 'sauberer' Energie versorgen will.

Wenn man dabei noch Vorschläge sieht, diese Sektorkopplung mit Power-to-Gas unter einem miserablen Wirkungsgrad durchzuführen, dann fragt man sich, wie das mit verbesserter Energieeffizienz, über die auch immer geschwafelt wird, zu vereinbaren ist.

Günter Unseld vom NAEB Stromverbraucherschutz ergänzt am 2. November 2018:

Warum wurde die Sektorkopplung überhaupt von den Energiewende-Protagonisten erfunden?

Da die Energiewende eigentlich nur eine Stromwende ist, fließt ein Großteil der Subventionen in den Stromsektor, womit die CO2-Emissionen reduziert werden sollen, was bis heute nicht gelungen ist.

Nun dämmert es den Verantwortlichen, dass andere Sektoren wie der Verkehr, die Gebäudewirtschaft und die Landwirtschaft auch etwas zu den CO2-Reduktionen beitragen müssen, damit die Verpflichtungen gegenüber der EU bis 2030 erfüllt werden können. Und dazu wurde die Sektorkopplung erfunden, bei der dieser subventionierte Ökostrom in den Verkehrssektor und die Gebäudewirtschaft eingekoppelt werden soll, um in diesen Sektoren die CO2-Emissionen zu reduzieren. Offensichtlich glauben die Verantwortlichen nicht, dass bis 2030 der Beitrag der E-Mobilität dafür ausreicht.

Nun ist jedem, der eine naturwissenschaftliche Ausbildung absolviert hat, klar, dass solch eine Einkopplung zu Energieumwandlungen führt, die technisch mit großen Verlusten verbunden sind. Pikant dabei ist, dass die Energiewendespezis gleichzeitig die Rettung der Energiewende in einer dramatisch verbesserten Energieeffizienz sehen. Mit anderen Worten : Es soll bei gleichem Arbeitseinsatz weniger Energie verbraucht werden und dadurch weniger CO2-Emissionen.

Die Sektorkopplung und ihr schlechter Wirkungsgrad ist das Gegenteil zu einer verbesserten Energieeffizienz - ganz abgesehen von den Kosten der dazu notwendigen Industrie-Infrastruktur, die noch nie spezifiziert wurde, wie es bei der Energiewende üblich ist.

Warum sollten wir uns da aus Diskussionen heraushalten? Indoktrinierend wirkt das nur bei naturwissenschaftlichen Laien. Solche glauben auch, dass die Photovoltaik noch bei Vollmond Strom erzeugt. Tatsächlich wurde ich während eines Vortrages danach gefragt! Meine Antwort lautete: "Bei Halbmond ist das dann die Hälfte!".


Siehe auch
26. September 2015 | Energiewende und Digitalisierung – Merkels neues Deutschland