Politische Klapperstörche und Weihnachtsmänner

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Als in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts im von Pest, Cholera und Diphterie-verseuchten Berlin, mit fast einer Million Einwohnern bereits eine der größten Städte Europas, erste Pläne für eine Kanalisation erörtert wurden, schrie die Schar derer, die bislang am Fäkalienhandel und -transport bestens verdient hatte, lauthals auf - mit Argumenten, die an Widersinnigkeit nicht zu übertreffen waren. Es waren intelligente, engagierte Bürger, mutige Wissenschaftler und noch nicht korrumpierte Politiker, die sich den Lobbyisten und gestrigen Enthusiasten in den Weg stellten und in nur wenigen Jahren Berlin zu einer der saubersten und gesündesten Städte der Welt machten. Siehe Wutbürger, Kot und Cholera

Nun, knapp 140 Jahre später bräuchten wir genau dies wieder - intelligente engagierte Bürger, noch nicht korrumpierte Politiker und mutige Wissenschaftler, die der politisch nihilistischen Restbevölkerung Wege in die Zukunft aufzeigen, um den finanz-, steuer-, wirtschafts- und sozialpolitisch bis zur Deichsel im Dreck steckenden Karren aus demselben zu ziehen. Doch daran gebricht's völlig: eine meinungslose, nur noch hilflos nach Mehrheiten schielende Staatsratsvorsitzende, die sich aller, ihre gebrechliche Autorität mutmaßlich gefährdenden Mitstreiter entledigt hat und einen zur Lachnummer verkümmerten Koalitionspartner mit sich schleift; ein keifendes Oppositiönchen, das nur noch die dritte Geige im "Hohen Haus" spielen darf und froh ist, gerade nicht in der Regierung zu sitzen; ein amorphes Sammelsurium größenwahnsinniger Neu-Volksparteiler, die politische Wut- und Protestwähler aller Couleur als Befürworter eigener Ziellosigkeit verkennt und ein seniler Freundeskreis vorvorgestriger Linksfaschisten irren orientierungslos im Nebel dessen umher, was uns (inter)national an Problemen um die Ohren fliegt. Fach- und Sachkunde - Fehlanzeige. Ein gelernter Arzt wird aus wahltaktischen Gründen flugs zum Wirtschaftsminister gekürt, während ein Bankkaufmann aus gleichem Grunde den obersten Medizinmann der Nation spielen darf. Das misanthropische Merkel läßt sich stolz von Oh Bama den "Freiheits"orden ums bullige Genick wickeln und spielt die 'entschlossene Europäerin', die 'geläuterte Atomgegnerin', ohne daß irgendein Medium dieser Närrin ins Wort fällt; wie vor knapp 22 Jahren hat unser aller Ängschi mal wieder instinksicher die Seiten gewechselt. Gäb's dafür einen Nobelpreis, sie hätte ihn wahrlich verdient.

In den Maghrebstaaten, dem Vorderen Orient und Teilen der Subsahara brennt die Welt, sämtliche Kohl'schen Lügenmärchen zum Thema EURO(päische Union) sind zwischenzeitlich entlarvt, ein Drittel aller weltweiten Staaten weist eine Jugenarbeitslosigkeit von 20 bis 60% auf, während ein weiteres Drittel unter seinen Sozialsystemen kollabiert; weltweit werden mehr Summen zur Rettung der Finanzsysteme, i. e. Banken und Hypothekenfinanzierer, aufgewendet, als das Weltbruttosozialprodukt ausmacht - das Hochmittelalter läßt grüßen, in dem Bankendynastien trefflich kassierten, indem sie König- und Kaiserreiche vor dem Kollaps retteten, Kriege und Kreuzzüge finanzierten und dem Klerus das Überleben sicherten.

Und welche Rollen spielen in dieser Gemengelage eigentlich die Wissenschaftler als 'Hüter der Wahrheit' und die Medien als Reporteure und omnipräsente Meinungsbildner? Nun, erstere sind zum größten Teil öffentlich-(un)rechtlich versorgt und damit mehr dem parteipolitischen Dienstherrn ergeben als der Wahrheit zugeneigt, letztere bangen um Einschaltquoten und Auflagen, sie sind zu sensationsgeilen Unterhaltungsclowns verkommen.
[Der verschwindend geringen Restmenge in Parteien, Medien und Wissenschaft, die sich diesen Schuh zu recht nicht anziehen muß, gebührt (m)ein Kotau; wirklich zu sagen haben sie jedoch faktisch nichts.]

Und die Masse der BürgerInnen? Nun, die wartet, ängstlich gedrängt unter der jeweils nächstgelegen Markise, auf besseres "Wetter", genauer: auf die richtige, einzig wahre Lösung - die es natürlich nicht gibt. Das zeigt sich exemplarisch bei der Frage, wie "das Griechenland-Problem" denn nun zu lösen sei. Um sich eine Meinung zu bilden, müßte man sich wirklich tiefschürfend mit den Zusammenhängen auseinandersetzen. Dazu haben Lieschen und Hänschen weder Zeit noch Lust. Bleibt also nur, den Politikern bei ihren sprachlichen Entblödungen zuzuhören oder, besser noch, wegzuhören und die Fernsehzeitung nach Unterhaltsamerem durchzublättern. Notfalls meckert man an Stammtischen und beim opulenten Kaffeekränzchen.
Dabei dämmert es immer mehr BürgerInnen, daß nach Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien als nächstes ein halbes Dutzend Ost- und Nordosteuropäer an die Pforten der EZB, des IWF und der Weltbank klopfen werden. Als nächste Kandidaten lassen dann wohl Belgien - das ansonsten seit fast einem Jahr eine herrlich regierungslose Zeit erlebt -, einige frankophone (ehemalige) Kolonien in der Karibik und Afrikas, letztendlich auch Frankreich selbst als Bettler vor den Pforten der (noch!) sattelfesten EU-Länder - deren Anzahl ist mit Finnland, Holland, Österreich und Deutschland recht übersichtlich geworden - herzlich grüßen. Dabei war die Zahl derer, die bereits zu Zeiten 'Helmuts des Fürchterlichen', Mitte der 90er Jahre vor dem von Größenwahn geprägten Lügengespinst warnten, gar nicht so klein (wir zählen uns als DBSFS in aller Demut auch dazu), nur wurde sie vom Chor der EU-Bekifften niedergebrüllt, und Lieschen und Hänschen .... (s.o.).

Nun haben wir den sprichwörtlichen "Salat", und während sich die Parteistrategen, eskortiert von Wissenschaftlern und Medien in sinnlosem Gezänk zerfleischen, geht immer mehr die klare Einsicht verloren, daß es den Königsweg, eine alle Wunden heilende Lösung längst nicht mehr gibt; dafür ist der "Karren" EU" (nebst EURO) längst viel zu tief im Schlamm hirnloser politischer Dummheit festgefahren. Ob sich die Griechen lieber für ein 'Ende mit Schrecken' als einen 'Schrecken ohne Ende' entscheiden, oder Brüssel sie mit "sanfter Gewalt" zum Ausstieg zwingt, indem sie ihnen die Konten sperrt und weitere Kredite ablehnt, oder einige (noch zahlungsfähige) Länder eigene Interessen schützend die EU/den längst todkran-ken Währungsverbund verlassen - die Frage ist letztlich nur, welche Lösung die erfolgversprechendere und finanziell wie auch sozialpolitisch heilsamere ist. Ohne Schmerzen hingegen ist diese Operation am offenen Herzen nicht mehr zu bewältigen. Wer dies von 'den Politikern' erhofft oder erwartet, glaubt auch noch an Weihnachtsmänner, Osterhasen, Klapperstörche oder Götter unterschiedlicher Bauart.

H.-W. Graf

Eine erfolgreich, freud- und sinnvoll genutzte Zeit
Enjoy a successfully used day - carpe diem

H.-W. Graf

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Kommentare

Ihre Anregungen

Sehr geehrter Herr Hans-Wolff Graf,

ich bin per Zufall, aufgrund eines Kommentars auf Facebook zu dem vermeintlichen "Fehltritt" eines CDU Politikers aus dem hohen Norden, auf diese Seite gekommen.

Danke für die neuen Erkenntnisse, Sichtweisen und Anregungen. Leider fehlt mir als angehender StB (Prüfung Oktober 2011) zur Zeit die Möglichkeit mich viel intensiver mit Ihren Gedanken zu beschäftigen und die Masse an Aussagen zu überprüfen. Einige Ihrer Ansichten habe ich aber bereits vorher geteilt.

Was Ihre steuerlichen Gedanken angeht bin ich wegen meiner Prägung einigermaßen befangen und kann dem so nicht (vllt noch nicht) folgen. Aber ich werde mich bei Gelegenheit weiter mit Ihren Ideen und Gedanken auseinander setzen und bin sehr gespannt zu welchen Erkenntnissen ich kommen.

Habe auch schon meinen Vater in Kenntnis gesetzt und bin auf die Gespräche gespannt.

MfG ein Engel aus NRW

PS. Momentan brenne ich mehr von Ihnen zu lesen. Leider findet sich nur ein Videobeitrag im Netz.