Ist der Holocaust-Workshop noch politisch korrekt?

Bild von Hans Kolpak

Über akademische Selbstverlorenheit zu grinsen, steht mir grundsätzlich nicht zu, ich habe nicht einmal ein Abitur. Mich an seltsamen Formulierungen festzubeißen, verleiht mir auch keine Glaubwürdigkeit, mein Vater ist Jahrgang 1929, er hatte keine Brückenköpfe mehr zu verteidigen. Der lange Marsch im Winter von Ostpreußen bis nach Hessen war von anderer Qualität, als irgendwo mit Knarren und Granaten wartend herumzuliegen.

Ich zitiere von der Berliner Uni, erschienen am 17. Januar 2010:
Veranstalter: Universität Hamburg, Historisches Seminar (Prof. Dr. Frank Golczewski); Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Dr. Piotr Cywinski)
Datum, Ort: 21.05.2010-25.05.2010, Oswiecim, Polen
Deadline: 20.02.2010

Als Mensch mit Jahrgang 1953 frage ich mich, was in der Birne von wesentlich jüngeren Menschen passiert - egal ob Professor oder Studenten. Haben die nicht die ganzen Filme von Leni Riefenstahl gesehen, die durch den Filter des United Kingdom gelaufen sind? Ich fühle mich ein wenig überrumpelt, muß da erst einmal drüber schlafen, aber eines ist mir jetzt schon klar: So gestelzt und lebensfremd kann ich mich nicht mit dem Tod so vieler Menschen auseinandersetzen.

Was bedeutet deAdLine? Ist es ein Kunstwort für "Deutsche Werbe-Linie"? Vielleicht oder auch nicht, schließlich wäre Todeslinie nicht politisch korrekt und Deadline geht einfach durch, weil es so schön britisch ist.

Der deutsche Sprachschatz enthält viele Sprachbilder aus dem militärischen Leben vor und nach dem Dritten Reich. Die von 1933 bis 1945 werden im Volksmund trotzdem gebraucht, auch wenn das Volk hierbei seine politische Korrektheit aufgibt. Wer denkt schon darüber nach? Das haben damals auch nicht alle getan.

In ein paar Jahrzehnten werden sich wieder Leute dumm stellen und ihre gegenwärtige Denkweise und Handlungsweise mit fadenscheinigen Argumenten leugnen. Doch die vielen Toten TÄGLICH allein in der Bundesrepublik Deutschland sind eine Tatsache. Sie werden heute geleugnet und sie werden in einigen Jahrzehnten geleugnet werden.

Abhängig von dem, was dann gerade politisch korrekt ist, wird es auch die entsprechenden Staatsanwälte geben, die Stoff für Schauprozesse finden.