Anarchismus in Griechenland ist nicht existenzbedrohend

Bild von Hans Kolpak

Alexandros Stefanidis: "Die Griechen, so perfide es klingt, stecken alle unter einer Decke. Und als Grieche sage ich das halb desillusioniert, aber auch halb amüsiert. Wir haben einen Lebensweg entwickelt, der es uns erlaubt, nicht auf Gesetze, nicht auf Verordnungen und nicht auf Politiker angewiesen zu sein. Es gibt dafür ein schönes altgriechisches Wort: Anarchismus. Oder anders ausgedrückt: Wir sind unregierbar."

Die Reserven einer Volkswirtschaft müssen unheimlich groß sein. Die Geldmengen, die in Griechenland in der Korruption versinken, verschwinden in Deutschland in der Bürokratie von Behörden und Unternehmen, die Statistiken für Behörden ausfertigen müssen: "Von der Wiege bis zur Bahre, nichts als Formulare". Wer in Deutschland lebt, haftet selbst dafür - unter behördlicher Aufsicht, versteht sich.

Ob es nur eine Frage der freien Auswahl ist, wo ein Mensch sich wohl fühlt und wo er leben möchte? "1600 Euro Schmiergeld zahlt eine griechische Familie durchschnittlich pro Jahr."

Zugegeben, Es ist ein Unterschied, ob der Bruttolohn eines deutschen Arbeitnehmers monatlich um 133,33 Euro Lohnsteuer zwangsweise reduziert wird oder ob ein Grieche unregelmäßig an verschiedene Empfänger in bar 1.600 Euro jährlich Schmiergelder zahlt. Das Geld ist in beiden Fällen weg und eine Gegenleistung in kaufmännischem Sinne wird nicht erbracht.

Hier wird bezahlt, was an anderer Stelle eigentlich hätte bezahlt werden sollen, aber möglicherweise vergessen wurde. Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Urlaub in Griechenland ist schön, weil es dort anders ist als in der deutschen Heimat. Arbeiten in Deutschland ist schön, weil es hier anders ist als in der griechischen Heimat. Udo Jürgens hatte es erfaßt. Sein Lied "Griechischer Wein" ist preisgekrönt und erfreut sich größter Wertschätzung bei unseren griechischen Freunden.

"Griechischer Wein und die alt vertrauten Lieder,
Schenk nochmal ein,
Denn ich fühl die Sehnsucht wieder, in dieser Stadt,
Werd ich immer nur ein Fremder sein und allein."

Zur Ehrung und als Ausdruck des Dankes, das Leben der griechischen Gastarbeiter in Deutschland derart emotional ausgedrückt zu haben, empfing der griechische Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis Udo Jürgens und den Textdichter Michael Kunze in Athen.